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Wenner-Gren
Dr. Axel L. Wenner-Gren
Initiator und Finanzier der ALWEG-Bahn

In English see: THE ALWEG ARCHIVES "The Vision"
Dr. Axel Lennart Wenner-Gren, geboren am 5. Juni, 1881 in Uddevalla, Schweden, war mit seinen weitverzweigten und weltweit operierenden Unternehmen zu seiner Zeit schon ein global agierender Unternehmer. Seine Begabung als Geschäftsmann und sein Talent, neue Ideen aufzuspüren und gewinnbringend zu nutzen, machten die von ihm gegründete schwedische Electrolux-Gesellschaft zu einem der ersten multinational erfolgreichen Konzerne. Electrolux ist noch heute weltweit erfolgreich und Dr. Wenner-Grens Rolle beim Aufbau dieses Konzerns wird in der Chronik des Unternehmens nach wie vor gebührend gewürdigt.

Im Jahre 1939 gab Dr. Wenner-Gren  den Vorsitz seiner Firma ab und zog sich auf die Bahamas zurück. In der Firmenchronik wird Dr. Wenner-Gren letztmalig 1956 erwähnt, als er seine Firmenanteile an die schwedische Wallenberg-Gruppe verkaufte. Von 1934 bis 1941 war er auch Besitzer der Svenska Cellulosa AB und außerdem war er maßgeblich an dem Rüstungsunternehmen Bofors AB beteiligt. Hinzu kamen unter anderem noch lukrative Unternehmen in Kanada, Südamerika und Mexiko.

Trotz seines phänomenalen Erfolges mit der Firma Electrolux und verschiedensten anderen Unternehmen scheint es so, als ob ab einem bestimmten Zeitpunkt, die Gesamtleitung dieser Geschäfte für nur einen Mann zuviel wurde. Zudem erhebt sich die Frage, ob Dr. Wenner-Gren in seinen letzten Lebensjahren die Führungsqualitäten der von ihm ausgewählten Leute überschätzte, die statt seine Visionen weiter zu verwirklichen nach seinem Tod eher für deren Niedergang sorgten.

Vielleicht liegt es an einigen Abschnitten der Biografie dieses agilen Vorreiters heutiger Globalisierung, dass es so außerordentlich schwierig ist, Daten und Fakten über ihn zu erfahren. Selbst die beiden großen wissenschaftlichen Stiftungen in New York und Stockholm, die seinen Namen tragen, sehen sich außerstande biografische Angaben machen zu können (Stand vom Sommer 2000).

Weltweite Berühmtheit erlangte er mit seinem Alweg-Einschienenbahn-Projekt. Völlig verdrängt wurde dadurch aber die Tatsache, dass Dr. Wenner-Gren gleichzeitig ein Pionier der Computer-Industrie war. Technisierung und Automation hatten ihn seit jeher interessiert und so ließ er während der 1950er Jahre von seiner kalifornischen Firma Logistics Research, Inc. Computer entwickeln, um eines Tages auch seine Einschienenbahn damit steuern zu können. Die Geschichte dieser als Alwac-Maschinen bekannten Computer – die später auch als Wegematic-Maschinen in Schweden gebaut wurden – ist (in englischer Sprache/siehe folgendes Link) von Professor Aimo Törn in Early History of Computing in Turku bestens dokumentiert worden und enthält auch eine interessante Biografie Dr. Wenner-Grens. - Über die Bedeutung der Alwac-Maschinen in der Geschichte des Computerwesens gibt es verschiedene Meinungen, doch schaut man in die Verzeichnisse von wissenschaftlichen Instituten und Archiven, die sich mit Computer-Geschichte befassen, so stößt man meist auch auf den Namen Alwac.

Es gibt interessante Parallelen zwischen dem Computer- und dem Einschienenbahn-Projekt des Dr. Wenner-Gren. Beide befassten sich mit technologischen Konzepten, die zu ihrer Zeit revolutionär erschienen. Auf dem Computer-Sektor stand Dr. Wenner-Gren einer großen, schon lange etablierten Firma wie IBM alleine gegenüber. Auf dem Verkehrssektor stand er mit seiner Einschienenbahn der gesamten etablierten Zwei-Schienen-Industrie gegenüber.

Leider starb Dr. Wenner-Gren am 24. November, 1961 in Stockholm. Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie sich gerade diese beiden Projekte entwickelt hätten, wenn Dr. Wenner-Gren noch genügend Zeit gehabt hätte, diese persönlich mit seinem ganz besonderen Überzeugungs- und Durchsetzungsvermögen zu leiten.

Doch beide Projekte steuerten schon bald nach seinem Tod auf ihren Niedergang zu und es ist wohl Ironie des Schicksals, dass für beide ein ganz bestimmter von Dr. Wenner-Gren bevorzugter Vertrauter zuständig war ...
Photo: Agentur Schirner/Dssd
Archiv/Archive KÖLNISCHE RUNDSCHAU
ALWEG-Veteranen werden erkennen, dass
Dr. Wenner-Gren auf dem obigen Foto am
Revers die Alweg-Anstecknadel trägt.

ALWEG-veterans will note, that on the above
photo Dr. Wenner-Gren wears the
Alweg pin on his lapel.
Mit berechtigtem Stolz konnte Dr. Wenner-Gren (oben links) im Oktober 1957 Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer (Bildmitte) auf dem Alweg-Versuchsgelände empfangen, um ihm den ersten 1:1 Alweg-Stadtbahnzug vorzustellen. Der Bundeskanzler verabschiedete sich nach Probefahrten mit dem Zug mit einem Lob für die Leistung der Alweg-Leute in Köln-Fühlingen.

With justified pride Dr. Wenner-Gren (above left) welcomed in October 1957 Germany's Chancellor Dr. Konrad Adenauer (center) on the Alweg test site to demonstrate the first full-scale Alweg city-train. After demonstration runs the Chancellor offered praise for the Alweg team in Cologne-Fühlingen.

Foto/Photo
Sammlung/Collection
Reinhard Krischer
Dr. Wenner-Grens Interesse an Einschienenbahn-Technologie nahm Ende der 1940er Jahre durch seine Bekanntschaft mit dem amerikanischen Senator John A. Hastings aus Los Angeles, Kalifornien, konkrete Formen an (siehe hierzu „Der Spiegel“, Nr. 3, 1956, Seite 16-23). Senator Hastings, der zur Lösung der Verkehrsprobleme von Los Angeles nach einem Nahverkehrssystem Ausschau hielt, hatte von einem deutschen Patent für eine neue Art von Hochbahn gehört, die ein Hamburger Ingenieur namens Roscher entworfen hatte.

Roscher hatte eine aufgeständerte Einschienenbahn ersonnen, die durch eine Führungsschiene über den Wagen stabilisiert werden sollte. Diese Bauart, so Roscher, sollte erheblich kostengünstiger sein als herkömmliche Zweischienensysteme und sollte auch noch weniger Platz beanspruchen.

Hastings, der wusste, dass Dr. Wenner-Gren für neue Technologiekonzepte immer aufgeschlossen war, berichtete ihm davon und Dr. Wenner-Gren stellte sofort Geld zur Entwicklung des Konzepts zur Verfügung.

Im Jahre 1951 versuchte Hastings vergeblich, Roscher ausfindig zu machen, musste aber feststellen, dass Roscher während des Kriegs verschollen war. Allerdings hatte das amerikanische Engineering and Transportation Corps der Besatzungsstreitkräfte in den Archiven der Deutschen Reichsbahn entdeckt, dass es zwei Ingenieure gab, die sich auch mit Einschienenbahn-Konzepten befasst hatten. Hastings traf sich mit diesen beiden Ingenieuren – Dr. Ing. Josef Hinsken und Dipl. Ing. Georg Holzer – und zeigte ihnen, was man bereits in Kalifornien erarbeitet hatte.

Die beiden deutschen Ingenieure aber zweifelten sofort an der finanziellen Machbarkeit der kalifornischen Forschungsergebnisse und hatten bessere Vorschläge. Hastings unterrichtete Dr. Wenner-Gren davon und mit dessen großzügiger Finanzierung wurde dann in Köln-Fühlingen eine „Verkehrsbahn-Studiengesellschaft" gegründet. Sie sollte eine Einschienenbahn entwickeln, die – basierend auf den Anfangsbuchstaben des Namens des Finanziers – ALWEG-Bahn heißen sollte.

Es ist schade, dass die Biografie des Dr. Wenner-Gren heutzutage so wenig bekannt ist. Sie enthält viele Einsichten, die ihrer Zeit weit voraus waren, aber heute aktueller denn je sind, denn schon früh beschäftigte sich Dr. Wenner-Gren mit den zu erwartenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen zunehmender Automatisierung, - ganz abgesehen von seinen Gedanken und Bemühungen um Weltfrieden und ein vereintes Europa (wobei bis heute offenbar umstritten ist, unter welchen politischen Vorzeichen diese Gedanken und Bemühungen standen).
ElectroLux-Firmenschild
auf einem Staubsauger
der 1920er Jahre.

ElectroLux builder's plate
on a vacuum cleaner
from the 1920s.

Sammlung/Collection
Reinhard Krischer

Weitere Angaben im Buch "ALWEG-BAHN" vom Verfasser dieser Webseite.
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Copyright Reinhard Krischer
2000 - 2004
Illustratives Material/Illustrative material
Sammlung/Collection Reinhard Krischer
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