Bellanca Citabria im Maßstab 1:4
Bei der Citabria handelt es sich um mein zweites Großmodell. Erstanden habe ich sie
mehr durch Zufall. Mein Freund Stephan hatte sich den Baukasten bei einem Versand
in der Schweiz bestellt, in der Hoffnung, es sei die Kunstflugversion (Bellanca
Decathlon). Beim ersten Öffnen des Kartons, der übrigens mit Holz so voll gepackt
war, daß wir die wenigen Teile, die wir herausgenommen hatten, kaum wieder hinein
bekamen, stellten wir jedoch fest, daß die Rippen ein Clark Y Profil hatten. Keine gute
Voraussetzung für ein Kunstflugzeug. Es mußte sich also um die Reiseversion
handeln.
Mir gefiel der Flieger jedoch auf Anhieb so gut, daß ich Stephan den Baukasten
abkaufte. Kaum erworben, hielt mich nichts mehr. Den großen Bauplan auf dem
Basteltisch ausgerollt und mit Folie überzogen. Schon entstand das Gittergerüst des
Rumpfes. Dieser Baukasten ist nur etwas für echte Holzwürmer. Jemand, der bei jeder
zweiten Leiste von einem GFK-Rumpf träumt, hat hier in jedem Falle fehlinvestiert.
Einige Holzteile sind allerdings von nicht ausreichender Qualität gewesen und wurden
kurzerhand durch andere ersetzt. So sollte der Motorspant aus zwei Lagen 3mm
Sperrholz hergestellt werden, das allenfalls für eine Teekiste zu gebrauchen war.
Vielleicht hätte das sogar für die vorgeschlagene Motorisierung mit einem 10ccm (!)
Motor ausgereicht. Aber für ein Motorflugmodell mit einer Spannweite von 2,70m sollte es schon etwas mehr Leistung sein.
Ich entschied mich nach drei monatiger Bauphase zunächst für meinen Dolmar mit
40ccm, der aufgrund meiner vorübergehend beschädigten Superfly im Keller Urlaub
machte. Wie sich beim Erstflug herausstellte, war das dann doch ein wenig zu viel des
Guten. Bereits mit Drittelgas hob der 8 kg leichte Vogel ab und war fast unendlich im
45 Grad Steigflug zu halten. Bei Vollgas hatte ich echte Bedenken, ob die doch sehr
filigrane Konstruktion dieser Belastung standhält. Das Landen stellte ein echtes
Problem dar, da selbst im Standgas immer noch fast genug Vortrieb zum Steigen
vorhanden war.
Ich sah mich schnell nach einer Alternativ-Motorisierung um und fand einen
nagelneuen ZG22, den mir ein Vereinskamerad verkaufte. Dieser stellte sich als
optimale Motorisierung heraus. Anschließend wog der Flieger nur noch 7 kg, da
zusätzlich zum eingesparten Motorgewicht auch noch fast 500 g Blei aus dem Heck
entfernt werden konnten.
Das Flugverhalten ist sehr ausgewogen. Das einzig kriminelle ist, daß man bereits
beim Erstflug eine gehörige Portion Seitenruder zum Querruder mischen sollte. Die
Querruderausschläge sollten so differenziert werden, daß die Wege nach unten sehr
klein sind. Das negative Wendemoment ist so groß, daß Kurven mit dem Querruder
allein nicht zu fliegen sind. Es erfolgt keinerlei Schräglage, sondern lediglich ein
Schieben des Modells in die Gegenrichtung. Dieses Verhalten hatte ich jedoch
erwartet, da ein Vereinskamerad kurz zuvor ein ähnliches Modell (Aeronca Champ von
Engel) eingeflogen hatte und dieses Phänomen staunend fast so lange beobachtet
hatte, daß aus dem Flugzeug wieder ein Baukasten geworden wäre. Wenn man dies
beachtet, fliegt die Citabria wie ein Anfängerflugzeug. Beim Landen ist jedoch Vorsicht geboten. Möglichst mit etwas Schleppgas tief anfliegen und erst über dem Platz das Gas endgülig herausnehmen. Der Windwiderstand des Modells ähnelt dem einer Erfurter Schrankwand.
Dieses Modell ist etwas Besonderes. Der recht große Bauaufwand wird mit einem
tollen Flugbild und gutmütigen Flugeigenschaften belohnt. So richtig was für laue
Sommerabende, um mit Viertelgas durch die Lüfte zu brummen (315er Tank reicht so
für eine Stunde Flugzeit) und dabei im Gartenstuhl zu sitzen. Da bleibt zwischendurch
sogar noch Zeit, an bereitgestellten Kaltgetränken zu nippen. Als Schleppmodell ist
sie vielleicht durch die äußerst leichte Konstruktion nicht so sehr geeignet.