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Alweg + EMP (Deutsch)
ALWEG UND DAS EMP IN SEATTLE
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Wie bereits in der Einführung zu den ALWEG ARCHIVES beschrieben, stellt die Einbeziehung der Seattle ALWEG Einschienenbahn-Strecke in den Gebäudekomplex des Rockmusik-Museums EXPERIENCE MUSIC PROJECT (EMP) in Seattle einen besonderen Abschnitt in der schon abgeschlossen geglaubten Geschichte der Alwegbahn dar.

Eine Illustration (rechts) aus einer Broschüre der Firma Alweg aus den 1950er Jahren zeigt, dass zu den Konzepten der Alweg-Ingenieure auch mögliche Streckenführungen zählten, die durch Gebäude hindurch führten. Diese Möglichkeit sollte die Flexibilität ihres Transportsystems illustrieren und sollte demonstrieren, dass es an fast alle gegebenen Bedingungen anpassbar war. Diese Zeichnung aus den 1950er Jahren zeigt eine Doppelbalkenstrecke, die durch ein typisches Wohnhaus aus jener Zeit führt. In der Tat illustriert dies die Anpassungsfähigkeit dieses Einschienenbahn-Konzepts, aber als ein besonders gelungenes Argument für den Bau solcher Bahnen kann diese Idee wohl nicht angesehen werden. Ansprechender wäre sicherlich gewesen, wenn man gezeigt hätte, wie gut sich die Alwegbahn in extra dafür entworfene Gebäude hätte integrieren lassen.

Seit den frühen 1970er Jahren demonstriert die Disney Corporation wie elegant sich eine solche Gebäudedurchfahrt gestalten lässt, indem eine der Einschienenbahn-Strecken in Disneyworld in Florida durch das Atrium des großen „Disney Contemporary Resort Hotel“ geführt wird. Dies ist nicht nur elegant gelöst, sondern unterstreicht zudem gerade in einem Hotelbetrieb den niedrigen Geräuschpegel, den auf Gummirädern fahrende Einschienenbahnen entwickeln.

Die Seattle Alwegbahn, gebaut für die Weltausstellung von 1962 mit dem Motto „Das 21. Jahrhundert“, erhielt nach 35 erfolgreichen Betriebsjahren die erstaunliche Chance, noch einmal einige der grundlegenden Vorzüge des Alweg-Systems zu demonstrieren. Im Juni 1997 wurde der erste Spatenstich für den Bau des EMP auf dem Gelände des Seattle Center neben dem Aussichtsturm „Space Needle“ und dem Center-Bahnhof der Alwegbahn getan. Die Strecke der Alwegbahn, dieser einzigartigen technischen Sehenswürdigkeit der Stadt, wurde von Architekt Frank O. Gehry mit in den fantastischen EMP-Komplex eingeplant.

Im Jahre 1962 hatte die Alwegbahn in Seattle sehr futuristisch gewirkt und sollte eine Ahnung davon vermitteln, wie moderne Städte des 21. Jahrhunderts gestaltet sein würden. Dynamische Fotos der Alwegbahn mit dem Turm der „Space Needle“ im Hintergrund illustrierten diese Visionen und zierten die Titelblätter so mancher amerikanischer Zeitungen jener Tage.

Aber Seattles Alwegbahn musste dann 35 Jahre lang warten, bis 1997 die EMP-Gründer Paul Allen und dessen Schwester Jody Patton und Architekt Frank O. Gehry eine wahrlich futuristische Kulisse für sie erbauten.

Die Gründer wollten, dass das Gebäude sich so eng wie möglich um die Alwegbahn-Strecke schmiegen sollte. Der Architekt folgte diesem Wunsch und es entstand ein gebogener „Canyon“ (eine „Schlucht“), durch den die Einschienenbahn-Strecke durch das EMP geführt wird. Diese Kurve der Einschienenbahn-Strecke liegt direkt vor dem Seattle Center-Bahnhof der Bahn und bedeutet, dass die Züge an dieser Stelle entweder beschleunigt oder abgebremst werden. Sie durchfahren diese Kurve nicht mit einer konstanten Geschwindigkeit. Daher mussten die Architekten des EMP zuerst einmal genau wissen, wie sich die Züge in dieser Kurve verhalten, um genau berechnen zu können, wie groß der kleinste Abstand zwischen dem EMP und den Zügen sein musste, um eine sichere Durchfahrung zu gewährleisten.

Das erforderte eine ungewöhnliche „Verkartung“ des Fahrverhaltens der Einschienenbahn-Züge in dieser Kurve. Diese Aufgabe übertrug man dem Vermessungs- und Ingenieurbüro Bush, Roed & Hitchings, Inc. (BRH) in Seattle. Die Geschichte dieses auf diese Weise erstmals durchgeführten Meisterstücks der Vermessungskunst wird von Herrn Darrell Nance, BRH Projektmanager, in einem faszinierenden Artikel in der November 2000 Ausgabe des amerikanischen Professional Surveyor Magazine beschrieben.  ( Link zu diesem Artikel - pdf text.)

Im Verlauf dieser „Verkartung“ wurden die altehrwürdige Alwegbahn und ihre Fahrbalken mit Technik des 21. Jahrhunderts analysiert und vermessen. Dazu gehörten der Einsatz satellitengestützter Vermessungssysteme und modernster AutoCAD-Computerprogramme. Die Ergebnisse dieser „Verkartung“ erlaubten es den Architekten des EMP, den Abstand zwischen den Einschienenbahn-Zügen und den Wänden des EMP-„Canyon“ auf 18 Zoll (45,7 Zentimeter) sicher zu reduzieren.

Vom Inneren des EMP sollen eine gläserne Decke in einem Raum unter der Einschienenbahn-Strecke und ein Fenster im Bereich der „Sky Church“ den Besuchern einen Blick auf die durchfahrenden Alwegbahn-Züge ermöglichen.

Es spricht für die Arbeit der Alweg-Ingenieure, dass nach 35 Betriebsjahren der Geräuschpegel der fahrenden Züge keine besondere Schallabdichtung der „Canyon“-Wände erforderlich machte!

„Sky Curch“ („Himmelskirche“) ist Teil der Mythologie des Jimi Hendrix. Auf der Webseite des EMP kann man erfahren, dass Jimi Hendrix einst von einer „Sky Church“ träumte, in der Menschen – egal welchen Alters, welcher Herkunft oder Interessen – zusammenkommen könnten, um Musik zu hören.

Im EMP wurde die Vision der „Sky Church“ mit einer bis zu 28 Meter hohen Halle verwirklicht, - einer Art „Purple Haze Kathedrale“.

Die Alwegbahn, die durch den EMP-Komplex gleitet, wurde einst in Köln entwickelt, - der Stadt, die berühmt ist für ihre gotische Kathedrale ...


DANKSAGUNG: An George Metzger von Frank O. Gehry & Associates für geduldige Beantwortung von einschienenbahn-bezogenen Fragen zum EMP-Projekt; an Darrell Nance, LS, Project Manager der Firma BRH, und an Marc Cheeves, LS, Chefredakteur des Professional Surveyor Magazine, für die Zustimmung zu einem Link zum Artikel „Mapping the Monorail“ von Herrn Nance.

QUELLEN:   NEWSWEEK  6. Dezember 1999   Seite 102   "The Man Who Designed Bilbao"
Sammlung Reinhard Krischer
Architekturmodell des EMP
Foto Copyright Whit Preston '98
Courtesy of Frank O. Gehry Associates, Inc.
(aus der EMP Pressemappe zur
Eröffnung des EMP im Juni 2000)

Links ist die Balkenstrecke der
Alwegbahn zu erkennen.
Die zum Seattle Center Bahnhof
führende Kurve der Alwegbahn-Strecke
vor dem Bau des EMP.

Foto und Copyright LUDWIG CREMER
Die Kurve nach dem Bau des EMP.

Foto und Copyright LINDSAY KORST
Siehe englische Seite für
größere Ansichten.

Alweg Lageskizze des Seattle Center
Bahnhofs 1962 zur Zeit der
Weltausstellung. Die Kurve vor dem
Bahnhof führt seit 1997 durch das EMP.

Schematische Darstellung von 1962
der Alweg-Strecke
mit Angabe der jeweils zugelassenen
Fahrgeschwindigkeit.

Sammlung REINHARD KRISCHER
Kölns Rheinpanorama, aufgenommen
 im Sommer 1961 von Alweg-Ingenieur
Rolf Krischer, ehe er nach New York
und Seattle  reiste, um dort  für das
Seattle-Projekt zu arbeiten.
E-Mail an
Text und Illustrationen,
wenn nicht anders vermerkt,
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schriftlicher Genehmigung.
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oder
1962 Kurz vor dem Seattle Center.

 

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