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Internationaler Bach -Lizt Orgelwettbewerb Erfurt Weimar Merseburg 2008 -
Weitere Informationen über den Internationalen Orgelwettbewerb finden Sie unter:
DomMusikErfurt@nicolaus-family.de / Mail an den künstlerischen Leiter des Int. Orgelwettbewerbs / HOMEPAGE von DOM und SEVERIKIRCHE
Restaurierung des Spieltisches der Severi-Orgel
Orgelwettbewerb 2005
Vier fremde Orgeln in anderthalb Wochen, Übungsstress, Lampenfieber, eine strenge Jury: Die Finalisten des Internationalen Orgelwettbewerbs in Erfurt haben eine anstrengende Zeit hinter sich. Aber sie haben es geschafft. Alle vier wurden ausgezeichnet - und zum ersten Mal hat der Wettbewerb einen ersten Sieger.
Christian Iwan (30) aus Eisenstadt im österreichischen Burgenland übertrumpfte im Finale seine starken Mitbewerber aus Russland, Südkorea und den USA. Erstmals einigte sich die Jury darauf, einen ersten Preis zu vergeben; bei den vorangegangenen Erfurter Orgelwettbewerben 1999 und 2002 hatte man sich jeweils auf einen doppelten zweiten Platz verständigt.
Auch diesmal ging die Jurysitzung nach den Finalrunden im Dom nicht ohne Diskussion ab. Fast eine Stunde lang ließ die international besetzte Jury die Finalisten unter Hochspannung schmoren, ehe sie weißen Rauch aus dem Coelicum des Doms aufsteigen ließ. Letztendlich aber seien die Argumente, die für die Vergabe des mit 10 000 Euro dotierten ersten Preises an Iwan sprachen, überwältigend gewesen, sagt Domorganist Silvius von Kessel. "Er hat von allen Bewerbern die größte Persönlichkeit, die stärkste musikalische Ausstrahlung. Er hat etwas mitzuteilen."
Das wurde in den Finalvorspielen am Wochenende noch einmal deutlich. Mit seinen Interpretationen - den letzten, die im Dom erklangen, ehe die Jury sich am Samstagabend zur Beratung zurückzog - ließ Iwan nicht nur die Fachleute, sondern auch das große Publikum im Dom aufhorchen. "Kandidat Nummer vier" - so hieß der junge Österreicher offiziell, bis bei der Preisverleihung der Schleier der Anonymität gelüftet wurde - siegte im direkten Vergleich mit Bewerber Nummer drei schon im Barockprogramm, das sich beide Kandidaten aus Werken von Bach und Grigny zusammengestellt hatten. Auch im modernen Teil hatte Iwan die Nase vorn: Seine Reger-Interpretation klang feinsinniger und besser durchdacht als die Vierne-Darbietung des vorhergehenden Kandidaten. Aber "Nummer drei" braucht sich nicht zu grämen: Die Südkoreanerin Hyun Jung Kim gewann den zweiten Preis und 6000 Euro.
Margarita Schablowskaja aus Russland wurde Dritte und kann sich über 3000 Euro freuen. Der viertplatzierte Paul Weber aus den USA erhielt ein Finalistendiplom und 500 Euro. Alle Urkunden wurden noch im Dom von Kultusminister Jens Goebel (CDU) überreicht. Erstmals vergab die Jury einen Preis an einen Teilnehmer, der im Halbfinale ausgeschieden und schon abgereist war: Der Niederländer Arno Kerkhof wurde für seine besonders schöne Interpretation der Bach-Fantasia "Komm, heilger Geist, Herre Gott" mit einem Sonderpreis geehrt und mit 1000 Euro belohnt.
Nach den drei anstrengenden Wettbewerbsrunden in Erfurt ist Christian Iwan vor allem eines: "Erleichtert." Gerechnet habe er mit dem Sieg nicht, "damit kann man nicht rechnen. Man kann nur hoffen, dass alles gelingt." Die Wettbewerbsbedingungen waren für die vier jungen Finalisten, die im Viertel- und Halbfinale 23 Mitbewerber aus dem Rennen schlagen konnten, nicht leicht. Immer wieder mussten sie sich auf eine andere Orgel einstellen. Ihr Können wurde nicht nur an der Schuke-Orgel im Dom geprüft, sondern auch an den sehr unterschiedlichen Instrumenten in der Severi-, der Prediger- und der Cruciskirche.
Silvius von Kessel, der Spiritus Rector hinter dem vor sechs Jahren ins Leben gerufenen Orgelwettbewerb, freut sich über die große und internationale Teilnahme. 70 junge Organisten hatten bis Anfang März Tonaufnahmen zur Bewerbung eingesandt, darunter 58 aus dem Ausland. Insgesamt waren 21 Nationen vertreten - ein Zeichen für das wachsende Renommee des noch jungen Wettbewerbs, der 2008 wieder stattfinden soll. Der Erfurter Wettbewerb gelte inzwischen als einer der anspruchsvollsten Wettbewerbe in seiner Sparte, sagt von Kessel. "Genau dies war das Ziel, und es bleibt das Ziel."
Orgelwettbewerb 2002:
Sie waren gern hier
"Es ist schön, dass Sie noch da sind." Mit diesen Worten trat der Juryvorsitzende Jon Laukvik spätabends vor das treue Publikum des 2. Internationalen Orgelwettbewerbs Domberg-Prediger, nachdem die Jury über eine Stunde beraten hatte.
Die Entscheidung machte sich das internationale Gremium also nicht leicht. Und wie beim ersten Erfurter Orgel-Wettbewerb wurde auch diesmal kein erster Preis vergeben, obwohl es in der Jury Stimmen gab, die dies befürworteten, weil das Ansehen des jungen Leistungsvergleiches dadurch keinen Schaden genommen hätte.
Domorganist Silvius von Kessel, der die nicht unbedingt leicht zu rezipierenden Werke auswählte, sieht in der Jury-Entscheidung gute Gründe. Bei allen Finalisten mussten allerdings Abstriche gemacht werden. Zudem lagen die zweiten Preisträger eng beieinander. Doch die Interpretationen wiesen insgesamt keine exzellent-einheitliche Qualität auf. Spielte beispielsweise Maria Jürgensen einen ausgezeichneten Messiaen, dann litt die Reger-Fuge über B-A-C-H wegen zu hitziger Temponahme an Ungenauigkeiten. Dieses sind aber ganz normale Dinge bei jungen Interpreten, die auf stilistischer Suche sind, bei denen Literatur und Individualität nicht in vollkommener Harmonie stehen. Zudem sollte nie der Wettbewerbsdruck vergessen werden.
Auch nicht bei demjenigen, der beim Internationalen Orgelwettbewerb Domberg-Prediger leer ausging. Zwischen dem Landsmann des Orgelvorsitzenden, dem Norweger Anders Eidsten Dahl, und dem Drittplatzierten gab es schon erhebliche qualitative Unterschiede, die grundsätzlich musikalisch-stilistischer Natur waren. Ein Stück Persönlichkeit muss bei dem 1976 Geborenen noch reifen, der Schüler-Kokon abgestreift werden.
Dass beim diesjährigen Wettbewerb alle Preisträger aus Deutschland kommen, bedeutet nicht, dass die Orgelkunst eine deutsche Domäne ist. Bei der Wettbewerbspremiere kamen die vier Preisträger aus vier Ländern. Über den Sonderpreis 2002 für die beste Reger-Interpretation und einen zweiten Preis darf sich Winfried Lichtscheitel freuen, der seit zwei Jahren in Stuttgart bei Professor Bernhard Haas studiert. Ein erster Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" und ein Sonderpreis der Neuen Bachgesellschaft zählen bereits zu Lichtscheitels Künstlerbiografie.
Den Sonderpreis für die beste Messiaen-Interpretation sowie einen zweiten Wettbewerbs-Preis nahm Maria Jürgensen (geb. 1976) entgegen. Auch sie kann auf Erfolge beim Magdeburger oder beim Rundfunk-Wettbewerb verweisen. Eine vielseitige Musikerin geht ihren Weg, die bei "Jugend musiziert" einen ersten Preis für die beste Klavierbegleitung errang und im Landesjugend-Jazzorchester Schleswig-Holstein agierte.
Elke Völker wurde der dritte Preis zuerkannt. Den Großen und Publikumspreis im Dom zu Speyer 1998 hat sie schon in der Tasche. Und in Paris 1999 gehörte sie ebenfalls zu den Finalisten. Zudem hat die ausgebildete Schulmusikerin, studierte Musikwissenschaftlerin und Germanistin eine ausgeprägte journalistische Ader.
Allen Preisträgern herzlichen Glückwunsch. Da aber Preise nicht alles sind, verließen wohl auch die in den Vorrunden Ausgeschiedenen Erfurt mit wichtigen Erfahrungen, denn die Jury führte mit allen, die es wünschten, auswertende, richtungweisende Gespräche.
Wenn beim Empfang im Rathaus der die Urkunden Unterzeichnende, Oberbürgermeister Manfred Ruge, und Thüringens (damaliger) Ministerpräsident Bernhard Vogel den nächsten Internationalen Orgelwettbewerb keinesfalls in Frage stellten, so weiß Silvius von Kessel doch genau, dass drei Jahre eine lange Zeit sind. Seiner Meinung nach muss sich der Internationale Orgel-Wettbewerb Domberg-Prediger vor allem sachlich etablieren.
Die künstlerische Weichenstellung dafür war erfolgreich. Bürger und Gäste Erfurts zeigten derart großes Interesse, dass einige Teilnehmer erfreut mehr Besucherinteresse als beim Bach-Wettbewerb in Leipzig registrierten. Wichtig zudem: Die Jury-Mitglieder waren von der Stadt und der angenehmen Atmosphäre überaus angetan. Einhellige Meinung deshalb: "Wir sind gern hier gewesen."
Die Gewinner:Elke Völker, Winfried Lichtscheitel und Maria Jürgensen (v.l.n.r.)