Das Jiddische, ursprünglich 'Juden-Teutsch' genannt, formte sich im Mittelalter, als die Juden immer häufiger in Ghettos gesperrt und von der Außenwelt isoliert wurden. Aufgrund dieser Isolierung verringerte sich der deutsche Wortschatz ihrer Sprache, die jedoch gleichzeitig Ausdrücke aus dem Hebräischen und Aramäischen aufnahm, sowie aus verschiedenen slawischen Sprachen, als die Juden später weiter nach Osten zogen. Jiddisch ist eine Volkssprache. Sie kennt nur ein geringes fachspezifisches oder wissenschaftliches Vokabular, dafür ist sie sehr reich an idiomatischen Konstruktionen, Kosenamen und an Begriffen zur Beschreibung und Beobachtung des Menschen. Zahlreiche jiddische Ausdrücke sind in die deutsche Sprache eingegangen: mies (von hebräisch ‚miuss‘ = Ekel), meschugge (‚meshuga‘ = verrückt), Pleite (‚plejta‘ = Flucht), Fratze (‚parzuf‘ = Gesicht), Ganove (‚ganav‘ = Dieb, Gauner), Koscher (‚kascher‘), Mischpoke (‚mischpacha‘ = Familie), Kaff (‚kfar‘ = Dorf), Tacheles (‚tachlit‘ = Zweck). Ebenfalls jiddischer Herkunft sind: betucht, Mammon, kotzen, schäkern, mogeln und vermasseln...
Die sephardischen Lieder werden in Ladino, der Sprache der Sephardim gesungen, also derjenigen Juden, die ursprünglich von der iberischen Halbinsel stammen. Sie haben viele Elemente der mittelalterlichen iberischen Kultur bis in die heutige Zeit bewahrt, obwohl sie schon vor 500 Jahren, genauer: seit 1492 aus Spanien und seit 1506 aus Portugal vertrieben wurden. Ladino war zunächst nur das Kastilianische des 14. Jahrhunderts, doch über die Jahre nahm die Sprache mehrere Wörter aus den verschiedenen Ländern auf, in welche die Juden auswanderten (Arabien, Türkei, Griechenland, Marokko etc.). Neben der sakralen Liturgie hatten die Juden eine weltliche Tradition. Diese umfaßte ein reiches musikalisches Repertoire, um alle Phasen des menschlichen Lebens (Geburt, Kindheit, Jugend, Werbung, Ehe, Tod) zu feiern, aber auch halb liturgische Lieder, um den Sabbath und bestimmte religiöse Feiertage zu würdigen. Die Texte dieser sephardischen Lieder oder ‚Romanceros‘ gehen teilweise bis ins 14. Jahrhundert zurück.
Wo keine Autoren vermerkt sind, stammen die Lieder aus traditionellem Liedgut. Wo nur der Dichter genannt wird, handelt es sich um eine traditionelle Melodie mit einer neu unterlegten Dichtung. Die Autoren wurden erst ab dem letzten Jahrhundert genannt; oft gingen noch zu Lebzeiten der Autoren Lieder als ‚anonym‘ in die jiddische Volksliedtradition ein.
Die Klavierbegleitung der Lieder in diesem Konzertmitschnitt wurde improvisiert.
1 Zun in Mayrev Text: J. Rolnick, Musik: Vladimir Heifetz
Zun in mayrev zetst zikh gikh,
Vos darf nokh a mentsh vi ikh?
Lider, kleyne lider, li li li lider.
Nit faranen oyf der erd
nokh a freyd vi di vos vert
oyfgevekt durkh lider - li li li lider.
Ver veys morgndikn tog?
Lider - alts vos ikh farmog
Zoln blaybn lider, li li li lider.
Die Sonne im Westen sinkt rasch, wessen bedarf noch ein Mensch wie ich? Lieder, kleiner Lieder, Li-Li-Li-Lieder. Es gibt auf der Erde keine größere Freude, als die, die durch Lieder geweckt wird... Wer kennt den morgigen Tag? Lieder - alles was ich vermag ist Lieder zu singen...
2 A Maise
A mol iz geven a maise, di maise iz gor nit freylech,
Di maise heybt zich onet mit a yiddishen meylech.
Lyulinke main feygeleh, Lyulinke main kind.
'Chob ongevoyren aza libe, vey iz mir un vind.
Der meylech hot gehat a malke, Di malke hot gehat a vaingorten,
Der vaingorten hot gehat a boym, Lyulinke main kind...
In vaingorten iz geven a boymele, dos boymele hot gehat a tzvaigele,
Oyfn tzvaigele is geven a nestele, in nestele hot gelebt a fegele.
Der melech iz abgestorben, die malko iz gevoren fardorben,
dos boymele hot sich abgebrochen, die fegele is fun nest antlofen
Vu lernt man aza chochom,er zol kenen maine vunden tzelen?
vu nemt men aza doktor, vos zol kenen main hartz oyshelen?
Es war einmal eine Geschichte, die ist gar nicht fröhlich. Sie beginnt mit einem jüdischen König, Lyuinke, mein Kleiner, Lyuinke, mein Kind. Ich verlor meine Liebe, weh ist mir! Der König hatte eine Königin, die Königin hatte einen Weingarten, der Weingarten hatte einen Baum, der Baum hatte einen Zweig, der Zweig hatte ein Nest, in dem Nest saß ein Küken.. Der König ist gestorben, die Königin ist krank geworden, der Zweig ist abgebrochen, das Küken ist davongeflogen. Was lernt man aus dieser Geschichte? Wie kann ich meine Schmerzen zählen? Wo ist der Arzt, der mein Herz wieder heilen könnte?
3 Vos Toyg Mir Der Sheyner Vayngortn?
Vos toyg mir der sheyner vayngortn, az flantsn ken ikh im nit?
Vos toyg mir a libe tsu shpiln, az nemen kenen mir zikh nit!
Oy, far vemen es iz likhtik di nakht, far mir iz finster der tog.
Oy far vemen s'iz nakhes un freyd, far mir iz a yomer un a klog!
Was taugt mir der schönste Weingarten, wenn ich ihn nicht bepflanzen darf? Was taugt mir eine Liebesaffäre, wenn ich nicht heiraten darf? Weh, für andere ist die Nacht voll Licht, für mich ist schon der Tag so finster. Weh, für andere gibts Gemütlichkeit und Freude, für mich gibts nur Jammer und Klage!
4 Yome, Yome
Yome, Yome, shpil mir a lidele, vos dos meydele vil.
- Dos meydele vil a por shikhelekh hobn.
Muz men geyn dem shuster zogn? - Neyn, mameshi, neyn,
Du konst mikh nisht farshteyn, Du veyst nisht vos ikh meyn.
Yome, Yome, shpil mir a lidele, vos dos meydele vil.
- Dos meydele vil a kleydele hobn.
Muz men geyn dem shnayder zogn? - Neyn, mameshi neyn.
Du konst mikh nisht farshteyn, Du veyst nisht, vos ikh meyn.
Yome, Yome, shpil mir a lidele, vos dos meydele vil
- Dos meydele vil a por hitele hobn.
Muz men geyn dem hutmacher zogn? - Neyn, mameshi, neyn,
Du konst mikh nisht farshteyn, Du veyst nisht, vos ikh meyn.
Yome, Yome, shpil mir a lidele vos dos meydele vil.
- Dos meydele vil a khosndl hobn.
Muz men geyn dem shadkhn zogn? - Yo, mameshi, Yo
Du kont mikh shoyn farshteyn, Du veyst shoyn, vos ikh meyn!
Yome, Yome, sing mir ein Lied über die Wünsche eines kleinen Mädchens. Möchte das Mädel ein Paar Schuhe haben? Also schnell zum Schuhmacher! Nein Mütterchen, nein, du verstehst mich gar nicht! Möchte das Mädel einen Hut haben? Also schnell zum Hutmacher (zum Goldschmied)! Nein Mütterchen, nein, du verstehst mich gar nicht! Will das Mädel einen Ehemann haben? Also auf zum Heiratsvermittler! Ja, Mütterchen, ja, endlich hast du mich verstanden!
5 Fisherlid Musik Aliza Greenblatt
Fort a fisher afn yam, er fort aroys baginen,
Es hoft der fisher, min-hastam, fishelekh gefinen.
Murmlen khvalyes shtil far zikh, der yam iz a batribter,
Tsi iz der yam azoy vi ikh, oykhet a farlibter?
Gey ikh mir baym breg ot do, un tu mayn kholem shpinen.
Efsher vel ikh ergets vu, mayn libstn nokh gefinen.
Kumt der fisher troyerik, er hot keyn fish gafangen.
Un ikh bin moreshkhoyredik, a kholem iz fargangen.
Fährt ein Fischer auf den See, hofft, viele Fische zu fangen. Die Wellen murmeln still für sich, der See liegt betrübt: Ist der See auch so ein Verliebter wie ich? Und ich laufe schnell von hinnen, spinne meinen Traum noch fort: könnte es sein, die Liebste fänd ich an dem unbekannten Ort? Kehrt der Fischer traurig heim, kommt mit leeren Händen, und auch ich muß traurig sein, mein Traum ist nun zu Ende.
6 Unter Beymer Text: Cantor Moshe Oysher, Musik: Alexander Olshanetsky
Unter beymer vaksn grozn, Ay-lu-lu...
Un di beyze vintn blozn, schlof zhe zunenyu.
Zits, mayn kind, nit bay dem fentster, vayl du kenst dem vint derfiln,
Un ikh vil nit du, mayn shenster, zolst, kholile, zikh farkiln.
Himl iz shoyn khmarne shvarts, punkt azoy vo do bay mir in harts.
Unter beymer vaksn grozn, Ay-lu-lu...
Un di beyze vintn blozn, schlof zhe zunenyu,
Ay-lu-lu, schlof zhe, mayn kind, oy, harts mayns, blayb mir gezunt.
Unter Bäumen wachsen Gräser... und die bösen Winde blasen, schlaf nur ein, mein Söhnelein. Sitz, mein Kind, nicht nah am Fenster, denn du könntest den Wind wohl spüren, ich will nicht, um Gottes willen, daß du dich verkühlst. Wolkig grau ist es am Himmel, genauso wie in meinem Herzen. Unter Bäumen wachsen Gräser... und die bösen Winde blasen, schlaf nur ein, mein Söhnelein, schlaf mein Kind, oh schlaf ein, mein Herz, bleib mir gesund.
7 Shlof Main Fegele
Shlof main fegele, mach tzu dain egele, Ai-lu-lu-lu.
Shlof geshmak main kind, shlof un zei gezund, Ai-lu-lu-lu.
Shlof un cholem zis, fun der velt genis, Ai-lu-lu-lu.
Kol z'man du bist yung, kenst-du shlofen gring,
lachen fon als-ding, Ai-lu-lu.
Schlaf, mein Kleiner, mach deine Augen zu, schlaf und bleib gesund, schlaf und träume süß, genieß die Welt! So lange du jung bist, kannst du genug schlafen und über alles lachen...
8 Vi Shlekht Un Vi Bitter
Vi shlekht un vi biter s’iz tsu dinen bay yenemen,
Vi shlekht un vi biter un takish gemeyn.
Es drikt bay di leber, in hartsn a klemenish,
Ir tut dokh lakhn, un ikh nebekh veyn.
Ikh bin fun Zhitomir, kokht oyf dos blit in mir,
kokht es a gantsene vokh.
Mayn tay’re mamenyu, zol di madamenyu,
krign a fintstern brokh.
Er zogt er vet mikh nemen un makhn a khasene,
Er zogt er vet mikh nemen, mayn tayrer shats,
Er’t onton a tsilender, vi sheyn s’vet im pasenen,
Un di madamenyu vet krign di plats!
Wie schlecht und wie bitter ist es, bei jemandem Diener zu sein, täglich Gemeinheiten zu ertragen: es drückt auf die Leber, es beklemmt das Herz, sie lachen immer, und ich weine nur. Ich bin von Zhitomir, mein Blut kocht auf in mir und kocht die ganze Woche. Meine liebe Mutter, laß meine Herrin ein finsteres Ende erleiden! Ein junger Mann sagt mir, er will mich nehmen und heiraten. Er wird einen Zylinder tragen und so hübsch sein, daß meine Herrin vor Neid platzen wird!
9 Unter di Grininke Beymelekh T.: Chaim N. Bialik, M.: Platon G. Brounoff
Unter di grininke beymelekh, Shpiln zikh Moyshelekh, Shloymelekh.
Tsitskes, kapotkelekh, peyelekh, Yidelekh frish fun di eyelekh.
Gufimlekh shtroy, roykh un federlekh, nem un tsebloz zey oyf gliderlekh,
khapn zey oyf gringe vintelekh, Un es tsetrogn zey feygelekh...
Unter grünen Bäumen, spielen der kleine Mose und Salomon, so frisch wie gerade aus dem Ei gesprungen, leicht wie Stroh und zart wie Federn ein Windhauch könnte sie davontragen und zerstreuen...
10 Yoshke
Yoshke Yoshke, shpan dem loshik, vet er gicher loyfen,
Tomer vet er zich opshtelen, velen mir ihm nit kenen farkoyfen.
Der Rebbe hot gehesen freilich zain, tai dai dai di dai...
Trinken bronfen nit kain vain, tai dai dai di dam.
Yoshke, Yoshke, laß dein Pferdchen laufen, Wenn es hält, können wir`s nicht mehr verkaufen. Der Rabbiner bat uns fröhlich zu sein ... Branntwein zu trinken, statt Wein...
11 Rozhinkes mit Mandlen aus der Operette Shulamis von Abraham Goldfaden
In dem beys-hamikdesh, in a vinkl kheyder,
Zitst di almone, Bas-Tsiyon aleyn.
Ir ben-yokhidl Yidelen vigt zi keseyder
Un zingt im tsum shlofn a lidele sheyn, Ay-lyu-lyu-lyu...
Unter Yideles vigele, shteyt a klor-vays tsigele.
Dos tsigele iz geforn handlen, - dos vet zayn dayn baruf:
Rozhinkes mit mandeln; Shlof zhe, Yidele, shlof.
In einer Ecke des Tempels sitzt die Witwe, Tochter Zions, und wiegt ihr einziges Kind Yidele in den Schlaf mit folgendem Lied: Ay-lyu-lyu... Unter Yideles Wiege steht ein bleiches weißes Zicklein, das Zicklein war auf dem Markt. Das wird später auch deine Arbeit sein: Rosinen und Mandeln zu verkaufen.
12 Regndl Text: Abraham Kaplan et al.
Kh'hob gehat a mamenyu, Hot zi mir gezogt: main kind!
Zay nor gut un frum, un veys mer keyn khokhmes nit.
Regn, regn, regndl! Kh'bin a kleyner mentshele;
Kh'loz zikh mikh baregenen, kh'veys keyn khokhmes nit.
Kh'hob gehat a tatenyu, Hot er mir gelernt
Alef-beys oyf oysveynik, Un mer keyn khokhmes nit.
kh'hob gehat a rebenyu, Hot er mikh oysgelernt
Sider, khumesh, rashe, Un mer keyn khokhmes nit.
Kh'hob gehat a shadkhndl, a voyler mentsh iz er geven,
Hot er mir gebrakht a vayb, Vos veyst keyn khokhmes nit.
Ich hatte mal eine Mütterchen, das sagte mir: Mein Kind, sei nur gut und fromm, sonst weiß ich keine größere Weisheit. Regen, Regen, Regenlein, ich bin ein kleines Menschlein, ich lasse mich beregnen, und weiß keine größere Weisheit. Ich hatte mal ein Väterchen, das hat mich das Alphabet gelehrt, und keine größere Weisheit. Ich hatte mal einen Rabbiner, der hat mir die Bibel und den Talmud gelehrt sonst keine größere Weisheit. Ich hatte mal einen Heiratsvermittler, der war ein guter Mann, er hat mir ein Weib vermittelt: die aber keine Weisheit besaß!
13 El Dio Alto
El dio alto, con su gracia, mos mande muncha ganancia.
Noveamos mal ni ansia, a nos i a todo Israel.
Benedicho el abastado que nos dio dia non rado.
Cados sabbat, mi jovado a nos i todo Israel.
Venid todos a giuntemos su nombre benedezimos.
I de el de mandaremos, la benedizion de Israel.
Laß den großen Gott in seiner Gnade uns gute Nachricht senden, an uns und an ganz Israel, damit wir nicht leiden. Gesegnet sei der Gott, der uns den Sabbat gegeben hat, kommt alle, um seinen Namen zu preisen, und der Gott wird Israel seinen Segen schenken.
14 Mi Coracón
Mi coracón debaxo la tu ventana
Lleno de dolor enbuelto en las flamas.
Yo ya me cansí de tanto sonar guitarra,
Yo no alcansí a ver tu linda cara.
Unter deinem Fenster steht mein leidendes Herz in Flammen. Ich bin müde vom Gitarrespielen, und ich habe es noch nicht geschafft, dein schönes Gesicht zu sehen.
15 La Vida Do Por El Raquí
La vida do por el raquí, yo no puedo dexarlo,
de bever nunca me hartí, de tanto amarlo.
Cuando esta en el Barmil, no havlo con dinqunos,
cuando me hago kior kandil, me caigo en el lodo.
Für Raqui würd ich mein Leben geben, ich kann gar nichts ohne ihn, und werde nie müde, ihn zu lieben und zu trinken. Wenn er erst im Glase ist, spreche ich mit niemandem mehr, rolle in den Schlamm und preise ihn immer noch.
16 Una Noche Al Lunar
Una noche al lunar,Yo salí a caminar,
un mancevo m'encontró, al café ya me llevó, dos bezicos él me dió.
Una noche al lunar, Yo salí a caminar...
In einer heller Mondnacht machte ich einen Spaziergang. Ein junger Mann traf mich, nahm mich zum Café und gab mir zwei Küßchen. In einer hellen Mondnacht machte ich einen Spaziergang...
17 Durme Durme
Durme durme 'rmozo hijico, Durme durme con sabor.
Cierra tuz luzios ojicos, Durme con sabor.
A la scola tu te iras, en la Ley t'ambezaras.
Schlaf, mein Schöner, mit Vergnügen, schließe deine leuchtenden Augen. Eines Tages wirst Du zur Schule gehen und an Gesetze gebunden sein (und Jura studieren).
18 Era Escuro
Era escuro como la media noche,cuando la luna esclareciendo 'stava,
Todo callado, todo 'stava'n silencio, como la nuve'n la escuridad.
"Miseravle, por qué vienes agora? Arecordarme del mal que yo pasi?
Arecordarme de toda la mi vida?" - Estas palavras yo le havlí.
Es war dunkel wie um Mitternacht, als der Mond aufging, alles war ruhig, in Stille gehüllt, wie Schnee in Vergessenheit. "Erbärmlicher! Warum kommst Du jetzt zu mir? Um mich an den Schaden, den ich erlitten habe, zu erinnern? Um mich an mein ganzes Leben zu erinnern?" - Dies waren die Worte, die ich ihm sagte.
19 La Rosa Enflorece
La rosa enflorece / En el mes de May
Mi neshama s'escurece, / Sufriendo del amor
Los bilbilicos cantan / Con sospiros de amor
Mi neshama mi ventura / Estan en tu poder
Mas presto ven palomba / Mas presto ven con mi
Mas presto ven querida, / Corre y salvame
Die Rose blüht im Mai, aber meine Seele verwelkt aus Liebesleid. Die Nachtigallen singen mit Liebesseufzern, in deinen Händen liegen meine Seele und mein Schicksal. Komm schneller, Täubchen, eile zu mir und rette mich.
20 Como La Rosa En La Guerta
Como la rosa en la guerta y las flores sin avrir,
Ansi es una donzella a las hora del murir.
Wie die Rose im Garten mit ungeöffneten Knospen, ist ein Mädchen in seiner Todesstunde.
21 Adio Querida
Tu madre cuando te pario, y te quito al mundo
corazon ella no te dio, para amar segundo.
Adio, adio querida, no quero la vida, me l'amargates tu.
Va buxcate otro amor, aharva otras puertas,
aspera otro ardor, que para mi sos muerta.
Als deine Mutter dich gebar und dich auf die Erde warf, hat sie dir kein liebefähiges Herz gegeben. Addio, Schatz, ich möchte das Leben nicht mehr, du hast es mir bitter gemacht. Geh, such eine Andere, klopfe an neue Türen und entzünde neue Flammen: für mich aber bist du tot; addio, Schatz.
22 Havlo Con Coraje
Havlo con coraje y sin espantar, que con una hija me quije bien amar.
Como ella 'rmoza yo no vo topar, care ser mi espoza por me conortar.
El amor es furte, fuego quemador, como un serpiente arrevatador.
Se metió enfrente como'l matador, menazas de muerte, mancevos del Dor.
Miro d'alexarme por no me quemar, mas quero echarme al dip de la mar.
Mit Mut und ohne Hoffnung gebe ich zu, daß ich ein junges Mädchen begehre. Eine so schöne wie sie werde ich nie wieder finden sie muß meine Frau werden, um mein Alter zu trösten! Die Liebe ist wie ein starkes Feuer, wie eine tödliche Schlange. Die Liebe stellte sich mir in den Weg wie ein Matador, wie eine Todesdrohung. Ich versuche, mich fern zu halten, um mich nicht zu verbrennen und möchte mich in die Tiefe des Meeres stürzen.
HELENE SCHNEIDERMAN, Mezzosopran, stammt aus New Jersey, USA. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden - die Mutter war ungarisch-tschechischer, der Vater polnischer Herkunft - hat Helene Schneiderman seit ihrer Kindheit zu Hause Jiddisch gesprochen. Sie erhielt ihre Ausbildung in Princeton und Cincinnati, wo sie 1980 mit einem Masters of Music und 1982 mit einem Operndiplom abschloß. Nach einem Engagement in Heidelberg wurde sie 1984 Mitglied der Staatsoper Stuttgart, wo sie heute zu einem der Publikumslieblinge geworden ist. Ihre wichtigsten Partien waren u.A.: Dorabella, Rosina, Cenerentola, Isabella (Die Italienerin in Algier), Carmen, Octavian, Bradamante (Alcina), Geesche Gottfried in der Uraufführung von Adriana Hölzkys Bremer Freiheit, Smeton (Anna Bolena), Hänsel, Maddalena (Rigoletto), Nancy (Flotows Martha) und Suzuki.
Mit einem umfangreichen Repertoire, das über fünfzig Partien umfaßt, gastierte sie in München, Dresden, Düsseldorf, Karlsruhe, Amsterdam, Rom und an der New York City Opera sowie bei den Festspielen in Salzburg, Wiesbaden, Schwetzingen, Ludwigsburg, Pesaro und Edinburgh. An der Royal Opera Covent Garden in London gastierte sie als Cherubino und als Dorabella, in Tel Aviv als Suzuki. Im Herbst 2000 wird sie an der Pariser Opéra Garnier debütieren. Zukünftige Engagements führen sie nach Washington an die Seattle Opera und an die San Francisco Opera in Kalifornien. Helene Schneiderman ist auch eine aktive Konzert- und Liedsängerin. Neben dem klassischen Liedrepertoire singt sie viele jiddische Programme. 1998 wurde Helene Schneiderman zur Kammersängerin ernannt.
Helene Schneiderman Discography
Smeton (Anna Bolena) mit Edita Gruberova/Elio Boncompagni, Nightingale Classics;
Lucilla (Jommelli 'Il vologeso'), Frieder Bernius, Orfeo Records;
Lieder von Clara und Robert Schumann, Mendelssohn und Brahms. Klavier: S.Laux;
Eight Poems of Emily Dickinson (Copland), Dennis Russell Davies, Music Masters;
MOTTI KASTÓN, Bariton, wurde in Tel-Aviv, Israel, in einer Ladino-sprechenden Familie geboren. Nach seinem Militärdienst studierte er Gesang an der Rubin-Academy-of-Music bei Raffaele Arié und an der Manhattan School of Music in New York bei Marlena Malas. 1987 wählte ihn James Levine für das Young Artist Program der Metropolitan Opera in New York aus. Dort war er bis 1991 Ensemblemitglied und wirkte in Produktionen wie Der Barbier von Sevilla, Salome, Andrea Chenier und als Germont in La Traviata mit. Seit 1991 ist Motti Kastón erster Fachsänger an der Staatsoper Stuttgart. Sein Repertoire umfaßt hier u.a. Rollen wie Wolfram, Germont, Rossinis Figaro, den Grafen (Figaros Hochzeit), Silvio, Ezio (Attila), Dandini, Roderick Usher in Debussys Der Fall des Hauses Usher, Marcello, Ottone (Poppea), Donner, CamoÂns in Donizettis Don Sebastiano und den Sprecher (Die Zauberflöte).
Gastverpflichtungen führten ihn zum Montpellier Festival als Monteverdis Orfeo (unter Ingo Metzmacher), nach Paris an die Opéra Comique als Alphonse in La Favorite, ans Teatro La Fenice in Venedig und die Frankfurter Oper als Rossinis Figaro und zur Houston Grand Opera als Enrico in Lucia. Die Semperoper in Dresden verpflichtete ihn als Marcello in La Bohème. Er kehrte mehrfach zurück an die Metropolitan Opera als Wolfram und, in der Saison 1999, als Marcello im Rahmen der “Met in the Parks”. Gastspiele in sein Heimatland Israel führten ihn mit der New Israeli Opera zusammen: Er sang Dandini in La Cenerentola (Giancarlo Del Monaco) unter Alberto Zedda, unter Gabriele Ferro gab er hier Ford in Falstaff. Anläßlich der Expo 2000 in Hannover trat er mit dem Niedersächsischen Staatstheater als Ottone auf.
Sein weitgefächertes Konzertrepertoire umfaßt u.a. Brittens War Requiem (mit Musica Sacra, New York). Er gab die Welturaufführung von Leonard Bernsteins Arias and Barcarolles unter Bernsteins eigener Leitung und mit dem Pianisten Michael Tilson Thomas. In Berlin sang er unter Asher Fisch Blochs Sacred Service mit der Staatskapelle Berlin und Mendelssohns Walpurgisnacht mit den Berliner Symphonikern, in Lissabon Carmina Burana unter Walter Haupt, in Taormina mit der Accademia Santa Cecilia unter Gabriele Ferro. Mit den Bochumer Symphonikern unter Steven Sloan führte er Berlioz‘ Les Nuits d’été auf. In Berlin spielte er schließlich mit dem RSO Busonis Goethe-Lieder für DeutschlandRadio Berlin ein. Dem Liedschaffen widmet er sich mit seinen Hauptbegleitern Eytan Pessen und Peter Schrottner; mit letzterem gab er Werke von Zemlinsky, Mahler (Kindertotenlieder) und Brahms (Vier ernste Gesänge).
EYTAN PESSEN, Klavier und musikalische Bearbeitung, wurde in Haifa, Israel, geboren und absolvierte die Rubin-Academy-of-Music im Fach Klavier mit Auszeichnung. Studium bei Nilli Shiloh, Walter Aufhäuser, Irena Zaritskaya und Dinah Turgeman; gleichzeitig studierte er Komposition und Musikwissenschaft. Seine weitere Ausbildung erhielt er am Curtis-Institute-of-Music in Philadelphia und an der Juilliard-School-of-Music in New York, wo er Liedbegleitung, Kammermusik und Stimmbildung bei Marshall Williamson, Margo Garret und Alberta Masiello studierte.
Seine Kompositionen wurden in Israel und in den USA aufgeführt sowie im Rundfunk übertragen. Als Klavier- und Cembalobegleiter trat er weltweit in Liederabenden und Gesangswettbewerben auf. Er arbeitete als Korrepetitor und Begleiter beim Metropolitan Opera Young Artist Program und spielte für Meisterklassen von Regine Crespin, Sherril Milnes und Birgit Nilson. Seit 1991 ist er Studienleiter, seit 2000 auch Künstlerischer Projektleiter an der Staatsoper Stuttgart. Das Intermezzo Dorina e Nibbio von Domenico Sarro, zu dem er das Aufführungsmaterial nach den Originalquellen rekonstruierte, wurde zusammen mit Pergolesis La Serva Padrona unter seiner Leitung am Staatstheater Stuttgart aufgeführt.
CD Information
Ton und Mastering / Master Recording: Charly Mutschler
Ein Live-Mitschnitt des Konzertes im Staatstheater Stuttgart, Großes Haus, am 15. Juni 2000